Die Entstehung der Kreuzigungsgruppe

  Am 25.September 1871 veranstalteten die Oberammergauer eine separate, private Vorstellung des Passionsspiels für seine Majestät König Ludwig II. Der König war von der Darstellung des Leidens und Sterbens Christi so berührt und erschüttert und von der tiefen Religiosität der Oberammergauer Bürger so ergriffen, dass er zur bleibenden Erinnerung die monumentale Kreuzigungsgruppe stiftete.
Entsprechend dem feierlichen Gelübde aus dem Jahr 1634 sollen die Spiele alle zehn Jahre stattfinden. 1870 wurde auch gespielt, aber nach 16 Aufführungen wurden sie wegen des Krieges gegen Frankreich unterbrochen und erst im Folgejahr wieder aufgenommen (daher das Jahr 1871). An der Sondervorstellung nahmen neben König Ludwig II Prinz Ludwig von Hessen, der Bezirksamtmann von Garmisch, der Bürgermeister von Oberammergau, Pfarrer Deisenberger von Oberammergau und ein Leibjäger seiner Majestät teil. Die Aufführungen fanden damals noch im Freien statt. 1890 werden erste Pläne für einen Theaterbau verwirklicht, 1930 erfolgt ein grundlegender Neubau, dem dann 1997 eine totale Renovierung folgt. Jetzt aber weiter zur Entstehung der Kreuzigungsgruppe.
Ludwig II bestimmte selbst das Material ("Kehlheimer Marmor"), den Künstler ("Professor Johann von Halbig") und den Standort ("Osterbühl im Westen von Oberammergau"). Das Monument sollte von allen Häusern des Ortes gut zu sehen sein. Der König hoffte, dass der sanft ansteigende Hügel einmal der Endpunkt eines Kalvarienberges [1] sein könnte, was sich aber leider nicht erfüllte.

  Nach über zwei Jahren Arbeit konnte Professor Halbig das Werk 1875 vollenden. Vom 2. bis zum 16.August  1875dauerte  der für damalige Verhältnisse schwierige Transport von München nach Oberammergau, unter anderem auch über den Ettaler Berg von Oberau nach Ettal. Zwei Monate später , am 15.Oktober 1875, zum 50. Geburtstag von Ludwigs Mutter, erfolgte die feierliche Einweihung durch den Erzbischof von München und Freising, Gregor von Scherr. Das Königshaus war durch General Baron von LaRoche vertreten (andere Quellen geben an, dass der König persönlich anwesend war; das kann aber nicht verifiziert werden).

  Drei Jahre lang besuchte König Ludwig II jeweils am 15.Oktober die Kreuzigungsgruppe zum stillen Gebet. Immer zahlreicher werdende Neugierige veranlassten aber dann Ludwig II diese Tradition zu beenden.

  In der Bevölkerung von Oberammergau bestand wegen des Geschenks eine große Dankbarkeit gegenüber seiner Majestät König Ludwig II, dass seitdem am Vorabend seines Geburtstages (25.8.1845) auf einigen der umgebenden Berggipfel Freudenfeuer entfacht werden ("Ludwigsfeuer"). Durch den Gemeinderat wurde aber reglementiert, dass nur diese wenigen Feuer von verantwortungsbewußten Mitbürgern entzündet werden dürfen. Diese Tradition ist bis heute erhalten.

Einige technische Informationen:

Das Monument war zur damaligen Zeit das größte Steindenkmal der Welt.

Das Material ist Kehlheimer Marmor.

Gewicht der verschiedenen Teile:
         Christus und Kreuz auf Sockel - 600 Zentner (30 to)
         Maria und Johannes jeweils      -  40 Zentner (   2 to)
         Sockel                                      - 480 Zentner (24 to)

Höhe des Denkmals   12 m

Die Kosten für den bayerischen Staat beliefen sich auf 400.000 Gulden
      Rechnet man einfach die Faktoren ein für den Wechsel von Gulden auf Mark und
      dann von Mark auf Euro, so wären das etwa 350.000 Euro. So einfach läßt sich das
      aber nicht umrechnen, man müsste die entsprechende Kaufkraft berücksichtigen
      (ein Bauarbeiter verdiente damals ca. 300 Gulden im Jahr), die Inflation werten
      und die gestiegenen Materialpreise bewerten.
      Man kann also nicht so ohne weiteres feststellen, was die Kreuzigungsgruppe heute
      kosten würde.

Fussnote und Quellenangaben

[1]  Kalvarienberg
Zunächst die Hinrichtungsstätte Jesu Christi vor den Toren Jerusalems.
Seit der Gegenreformation umfangreiche Nachbildungen der Kreuzigungsszene, die von katholischen Christen als sakrale Stätten genutzt werden.
Der Begriff leitet sich aus der Übersetzung des aramäischen Bergnamens
Golgota der Vulgata-Bibel ab. Er wird dort als calvariae locus , lateinisch für "des Schädels Ort" wiedergegeben.
Große Bedeutung erlangte die Errichtung von Kalvarienbergenim Barock. Dann wurden oft auch die 14 Kreuzwegstationen mit errichtet.

Quellenangaben:
- Beschreibungen an der Kreuzigungsgruppe
- Diverse Artikel aus dem Internet
- Buch: "Professor Johann Halbig und seine Werke.
              Ein  Beitrag zur modernen Kunstgeschichte"
              Josef Alois Kuhn,  1879
- Das erste Bild ("Stich") ist aus der historischen Wochenschrift "Die Gartenlaube",
              Ausgabe No. 46 von 1875, Seite 775

- Bis auf das erste Bild sind alle Fotos "Copyright G.Schröder - 2011.

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Bilder

Einige interessante Bilder zur Kreuzigungsgruppe. Bitte klicken Sie die Bilder an, um sie zu vergrößern.